
Europas Automobilindustrie am Wendepunkt: Wie End-to-End-Prozesse die Krise bewältigen können

Die deutsche Automobilindustrie steckt tief in der Krise. Bosch baut mehr als 12.000 Stellen ab, Continental rund 12.200, und bei ZF könnten es bis zu 14.000 werden. Seit 2014 ist die Automobilproduktion in Deutschland um 30 % gesunken, und allein in den letzten zwei Jahren wurden 50.000 Arbeitsplätze abgebaut – mit steigender Tendenz.
Warum geraten wir ins Hintertreffen?
Lange galt "German Engineering" als Qualitätssiegel, doch inzwischen reicht es nicht mehr aus. Während europäische Hersteller immer noch auf ihre Premium-Qualität setzen, treiben Tesla und BYD die Digitalisierung und Kundenorientierung voran. China hat die Elektromobilität forciert und dominiert den Markt. Gleichzeitig verlangsamen lange Entscheidungsprozesse und veraltete Strukturen die europäische Industrie. Ein drohender Handelskrieg verschärft die Situation weiter.
Die harte Wahrheit ist: Wir haben den Wandel unterschätzt und zu spät reagiert. Jetzt müssen wir umdenken, wenn wir in Europa ein Gegengewicht zu den USA und China aufbauen wollen.
Handlungsfelder für die Zukunft
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die deutsche Autoindustrie schnell neu erfinden, alte Zöpfe abschneiden und dabei zuerst in den folgenden drei Kernfeldern neu ansetzen:
- Kosten- und Innovationsführerschaft gleichzeitig erreichen
In Hochlohnländern muss die Effizienz massiv gesteigert werden. Die standortbedingten teuren Lohn- und Lohnnebenkosten müssen durch entsprechende Produktivitätsfortschritte aufgefangen werden. Außerdem muss für die hohen und weiter steigenden Energiekosten ein Mechanismus des Kostenausgleichs gefunden werden, um Wettbewerbsnachteile gegenüber der außereuropäischen Konkurrenz zu verhindern. - Neues Footprint- und Sourcing-Konzept (local for local)
Regionale Produktion für regionale Märkte und regionale Beschaffung muss verstärkt in den Fokus rücken, um Handelskonflikten aus dem Weg zu gehen. - Kooperation statt Konkurrenz in der Wertschöpfungskette
Nur durch enge Zusammenarbeit mit Zulieferern, Tech-Partnern und anderen Marktteilnehmern können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.
Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Unternehmen in End-to-End-Prozessen denken
Geschwindigkeit und Flexibilität lässt sich jedoch mit einer klassischen funktionalen bzw. einer komplexen Matrixorganisation und der bestehen Prozesslandschaft nur begrenzt steigern. Die hohe Anzahl von Schnittstellen und die langen, hierarchischen Entscheidungswege verhindern Agilität und Kundenorientierung. Doch nicht nur die bestehende Aufbauorganisation, auch Prozesse und Systeme sind eine Herausforderung. Die Veränderung muss auch in den Köpfen und der Art der Zusammenarbeit stattfinden.
End-to-End-Prozesse sind eine Antwort auf die Krise der deutschen Automobilindustrie, weil sie Effizienz steigern, Kosten senken und Flexibilität erhöhen. Sie verbessern die Steuerung der Lieferketten, reduzieren Engpässe und ermöglichen eine schnellere Anpassung an Elektromobilität und Digitalisierung. Durchgängige Datenflüsse optimieren Produktion, Vertrieb und After-Sales, während Automatisierung und agile Prozesse die Time-to-Market verkürzen.
Wie kann ich mir End-to End Unternehmen vorstellen?
Im Gegensatz zu einer klassischen, funktionsorientierten Organisations- und Prozesslandschaft, stellen End-to-End Prozesse den Kunden in den Vordergrund.
Um das Ziel von kurzen Durchlaufzeiten und hoher Effizienz zu realisieren, werden Abteilungsgrenzen und Hierarchien aufgebrochen. Schnittstellen werden eliminiert, Teams werden neu zusammengestellt und mit deutlich mehr dezentraler Entscheidungsbefugnis ausgestattet. Teamplay statt Silodenken steht im Vordergrund.

Die Rolle des Managements verändert sich weg vom Entscheidungs- und Kontrollgremium hin zu einem „Servant Leadership“ Ansatz. Führungskräfte unterstützen, befähigen und coachen die Mitarbeiter, die klar definierten Ziele (Zeit, Qualität, Kosten) selbstständig zu erreichen.
Die Implementierung von End-to-End Prozessen umfasst die Hauptwertschöpfungs-prozesse in einem Unternehmen: den Produktentstehungsprozess, den Auftragsabwicklungsprozess und den After Sales.
Prozesshaus

Die Implementierung von End-to-End-Prozessen ist für die deutsche Automobilindustrie unerlässlich, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Durch die Digitalisierung und Integration aller Prozessschritte können Unternehmen ihre Innovationskraft steigern, flexibler auf Marktveränderungen reagieren und Entscheidungsprozesse beschleunigen.
Vorteile von End-to-End (E2E) Geschäftsprozessen
- Erhöhte Kundenzufriedenheit: Wenn alle Tätigkeiten eines Prozesses sinnvoll und durchgängig aufeinander abgestimmt werden, führt dies zu konsistenten und qualitativ hochwertigeren Arbeitsergebnissen. Die Kunden erhalten genau das, was sie erwarten, und zwar genau dann, wann sie es erwarten.
- Kürzere Durchlaufzeiten: E2E-Prozesseüberwinden Abteilungsgrenzen, minimieren Schnittstellen, unnötige Wartezeiten, Entscheidungsstaus und fokussieren auf eine hohe Prozessgeschwindigkeit.
- Verbesserte Effizienz: E2E-Prozesse helfen dabei, sich auf die wertschöpfenden Tätigkeiten zu konzentrieren, Engpässe zu vermeiden, sowie Zeit und Ressourcen zu sparen. Dies führt zu einem effizienteren Arbeitsablauf und der Möglichkeit die Vorteile von Digitalisierung, AI und Prozessautomatisierung intensiv zu nutzen.
- Schnellere Anpassungsfähigkeit: Durchgängig designte E2E-Prozesse ermöglichen es Unternehmen, schnell Bereiche zu identifizieren, die aufgrund veränderter Marktbedingungen angepasst werden müssen. Diese Flexibilität ist entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Es ist an der Zeit, Mut zu zeigen und traditionelle Strukturen zugunsten agilerer Ansätze zu überdenken. Wer End-to-End-Prozesse nutzt, bleibt wettbewerbsfähig. Wer weiterhin an starren Strukturen festhält, riskiert, den Anschluss zu verlieren. Es ist Zeit für eine konsequente Neuausrichtung – für eine wettbewerbsfähige europäische Automobilindustrie der Zukunft.